Anne Frank House VR

1942: Die jüdische Familie Frank ist auf der Flucht vor den Nazis. Für über zwei Jahre ist sie dazu gezwungen, sich mit vier anderen Flüchtenden in dem Hinterhaus eines Firmengebäudes in Amsterdam zu verstecken. Heute ist dieses Gebäude besser als das „Anne-Frank-Haus“ bekannt. In dieser Zeit voller Angst und Verzweiflung in eben diesen vier Wänden, begann die damals 13-jährige Anne Frank ein Tagebuch zu führen, das einmal zu den bekanntesten Werken der Geschichte zählen sollte: Das Tagebuch der Anne Frank.

In dem Spiel „Anne Frank House VR“, das wohl vielmehr als Dokumentation oder Museumsbesuch zu sehen ist, erhält der Spielende die Möglichkeit dieses Hinterhaus selbst mit eigenen Augen zu sehen, ohne dafür nach Amsterdam reisen zu müssen. Während man die einzelnen Räume durchquert, erzählt eine Stimme aus der Sicht von Anne Frank von ihrer Verzweiflung, ihren Sorgen und Ängsten, aber auch von ihren Träumen und Hoffnungen, die sie mit diesem Ort und den Gegenständen darin verbindet. Sie erzählt von den Menschen, mit denen sie dort gemeinsam eingeschlossen war, um für eine so lange Zeit unentdeckt zu bleiben. Eingebettet in eine kurze Zusammenfassung über den Hintergrund der Familie Frank, der Geschichte wie sie an diesen Ort gelangte und wie sie letztlich darin entdeckt und gefangengenommen wurde, kann der Spielende hier in etwa 15 Minuten das Anne-Frank-Haus durchqueren, die Zimmer in denen sie lebte mit eigenen Augen sehen und ihr Schicksal nachvollziehen.

Das „Anne Frank House VR“ bietet eine außergewöhnliche Möglichkeit, dem Geschichtsunterricht Leben einzuhauchen: Die VR-Umgebung kann ab der achten Klasse im Rahmen des Themas „Nationalsozialismus“ und „Zweiter Weltkrieg“ eingebunden werden und ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die Orte, von denen sie im Geschichtsunterricht hören, selbst zu durchlaufen und zu erkunden und dabei das Alltagsleben der Familie Frank besser nachempfinden zu können. Die Räume, in denen sich die Familie verstecken musste, zu durchwandern und zu sehen, welche Einschränkungen die Flucht vor den Nazis für diese mit sich gebracht hat, lassen den Spielenden die Konsequenzen der Unterdrückung und Verfolgung der Juden in der NS-Zeit auf eine ganz besondere Weise sehen und verstehen.

Die Geschichte der Familie Frank wird dabei unter Zuhilfenahme von historischen Realbildern und kurzen Filmsequenzen, die von der Machtergreifung Hitlers bis zum Tod von Anne und Margot Frank im Konzentrationslager Bergen-Belsen reichen, historisch eingebunden und erzählt diese sachlich und leicht verständlich. Dadurch wird vom Spielenden kein tiefgehendes Vorwissen über den Kontext benötigt, um die Handlungsmotive und die Situation, in der sich die Familie damals befand, gut zu verstehen. Außerdem verdeutlichen die historischen Gegenstände noch einmal unmissverständlich, dass es sich bei der Geschichte Anne Franks nicht um eine fiktionale Geschichte handelt, sondern um die grausame Realität der deutschen Vergangenheit.

Im Anschluss an den Rundgang erhält der Spielende des Weiteren die Möglichkeit, das Haus noch einmal auf eigene Faust zu erkunden und sich nach Belieben die Erklärungen zu den einzelnen Räumen erneut anzuhören, sodass man sich die Dinge, die beim ersten Durchgang noch nicht verstanden wurden, noch einmal erklären lassen kann oder Details entdeckt werden können, die einem zuvor entgangen sind.

 Auch wenn das „Anne Frank House VR“ nicht ganz an einen Besuch des echten Anne-Frank-Hauses in Amsterdam herankommen mag, so stellt es aber vielleicht die, in der Schule oftmals leichter zu realisierende, Möglichkeit dar, einem solchen so nah wie möglich zu kommen.