• Jahr: 2017
  • Entwicklerstudio: Charles Games
  • Plattform: Windows, Mac, Linux
  • Altersfreigabe: USK 12
  • Geeignet für: Ab Klasse 7
  • Fachbezug: Geschichte

27. Mai 1942: Im nationalsozialistisch besetzten Prag wird ein Attentat auf Reinhard Heydrich, stellvertretender Reichsprotektor im Protektorat Böhmen und Mähren, verübt. Dieser stirbt wenige Tage darauf an den Folgen seiner Verletzungen. In der Folge kommt es zu Vergeltungsmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung, bei denen ganze Ortschaften zerstört werden.

Beinahe 60 Jahre später, im Jahr 2001, beginnt die Handlung von Attentat 1942. Die Hauptfigur des Spiels ist dabei der eigene Großvater, der kurz nach dem Attentat 1942 von der Gestapo verhaftet wurde. Ziel des Spiels ist es zunächst, herauszufinden, warum die Gestapo den Großvater verhaftete und was dieser mit dem Attentat auf Heydrich zu tun hatte.

Wesentliches Spielelement sind Dialoge mit durch Schauspielerinnen und Schauspieler inszenierte Zeitzeugen: Der eigenen Großmutter, Nachbarn, Freunden, Widerstandskämpfern. Das Spielaudio ist dabei durchgehend tschechisch. Über Dialogoptionen können die Gespräche mit den Figuren gesteuert werden, je nachdem wie erfolgreich der Spieler hierin ist, geben die Personen mehr oder weniger Informationen über die eigene Vergangenheit preis. Daneben treten interaktive Comics, die das Geschehen während der Besatzung zeigen und Aufgaben für den Spieler bereithalten: So muss beispielsweise direkt am Beginn ein möglichst gutes Versteck für die Flugblätter gefunden werden, die sich in der Wohnung befinden; im weiteren Verlauf setzen Spielende einen Zeitungsartikel aus Abschnitten zusammen etc.

Die Spieldauer von Attentat 1942 beträgt drei bis vier Stunden, durch richtige Entscheidungen im Spielverlauf können sich Spielende Münzen verdienen, die es ihnen ermöglichen, einzelne Sequenzen zu wiederholen und somit etwa Fehlentscheidungen bei Dialogen rückgängig zu machen.

Das Spielerleben wird angereichert durch eine Enzyklopädie, die sich immer weiter füllt und Informationen zu verschiedenen Themen bereithält. Dazu treten noch eine Fülle von historischen Fotografien und Filmmaterial.

Das besondere an Attentat 1942 ist die facettenreiche Umsetzung über Videos mit inszenierten Zeitzeugen und Zwischensequenzen im Comicstil. Durch diese Darstellungswechsel wird zum einen verdeutlicht, ob sich die Spielenden in der spielinhärenten Gegenwart oder im Jahr 1942 befinden, zum anderen aber bieten gerade die Gespräche mit den inszenierten Zeitzeugen die Möglichkeit, sich vertieft mit den Geschehnissen während des Zweiten Weltkriegs zu beschäftigen. Schon bald wird es nur noch sehr wenige Menschen geben, die aus eigener Erfahrung von den Ereignissen dieser Zeit berichten können. Da alle Schauspielerinnen und Schauspieler selber Zeugen der Zeit, wenn auch nicht der konkreten Geschichte an sich, sind, leistet das Spiel damit auch und nicht zuletzt einen Beitrag gegen das Vergessen.

Attentat 1942 ist unverkennbar als Serious Game angelegt, also als Spiel, das speziell für Lernkontexte entwickelt wurde. Deutlich wird dies u.a. am explizit definiertem und lernzielähnlichem „Spielziel“ direkt zu Beginn. Hinter dem Spiel stehen dementsprechend auch Historiker der Karls-Universität in Prag und von der Akademie der Wissenschaften in Tschechien. Es ist daher insbesondere in der Darstellung historischer Fakten und Quellenmaterialien sehr sorgfältig. Allerdings sammelt sich dadurch besonders in der Enzyklopädie rasch eine nicht unerhebliche Textmenge an. Die Aufgaben gestalten sich dabei unterschiedlich schwer, bieten aber teilweise besonderes Lernpotenzial. Bei der Säuberung eines Schreibtisches müssen Spielende beispielsweise entscheiden, welche Gegenstände vernichtet werden müssten, um bei der Gestapo keinen Verdacht zu erregen.

Für den Geschichtsunterricht bietet Attentat 1942 das Potenzial, ein weitestgehend unbehandeltes Kapitel der Naziherrschaft, die Besetzung der Tschechoslowakei, zu erschließen und dabei auch einen internationalen Einblick in das Leben der Zivilbevölkerung zu erhalten. Die Rekonstruktion der Vergangenheit über Zeitzeugen und historisches Quellenmaterial ermöglicht einen authentischen Einblick in die Arbeit von Historikern und motiviert gleichzeitig als eine Art Detektivgeschichte, die die Vergangenheit des Großvaters aufklärt.