Blautopf VR

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Es war einmal eine Meerjungfrau: Sie hieß Lau. Sie hatte schwarze schöne Haare und blaue große Augen. Doch sie war gefangen in einer Höhle, da sie keine Kinder gebären konnte. Nur durch fünfmaliges herzliches Lachen konnte ihr Fluch am Ende gebannt und sie erlöst werden…

Handelt es sich bei dieser verkürzten Erzählung der schönen Lau nur um einen Mythos, ist der Ort des Geschehens umso reeller, was von jährlich tausend Besucherinnen und Besuchern bezeugt werden kann: der Blautopf, Eingang in das verzweigte Blauhöhlensystem. In Blautopf VR, begleitet von vielen kurzen Audios und teilweise Videos, erhalten die Lernenden – wahlweise durch Augmented- oder Virtual Reality – Einblicke in Teile des kilometerlangen Systems der Blauhöhle.

Die Lernenden beginnen bei dem Blaubeurer Eingang der Höhlen, der Blautopf-Quelle. Hier wird auch der Forscher vorgestellt, der 1985 als erstes eine lufterfüllte Halle im Höhlensystem entdeckt hat: Jochen Hasenmayer. Dabei erfährt man sowohl über die Faszination der Höhlenforschung und dem antreibenden Entdeckergeist als auch die damit verbundenen Risiken: Hasenmayer selbst erlitt auf Erkundungstouren eine Querschnittslähmung. Diese sollte ihn aber nicht abschrecken, sondern ihn zu einer innovativen Lösung anstacheln: einem „kleinen U-Boot“, mit dem er auch mit seinem Handicap weiterhin die Unterwasserhöhlen dieser Welt erkunden kann. Im weiteren Verlauf der Erkundung lernen die Nutzerinnen und Nutzer dann auch, wieso die eigentliche Gefahr bei Touren im Höhlensystem für den Menschen dieser selbst ist und wie man sich trotz dieser bestehenden Risiken möglichst sicher in den Höhlen fortbewegen kann.

In kurzen Videos über die Tierwelt in den Höhlen erfahren die Lernenden zudem, wie sich Fledermäuse orientieren und wo sie sich zu welcher Jahreszeit aufhalten, welche gefährlichen 3cm-großen Raubtiere in den Höhlen leben und welche Insekten es fast ein Jahr ohne Essen aushalten. Für Geografie-Interessierte wird die Faszination „Tropfsteine“ anschaulich beleuchtet und man erfährt, wieso Teile der schwäbischen Alb einem sinnbildlichen Schweizer Käse gleichen.

Gegen Ende der Erkundungen kommen auch Geschichts-Lehrende und -Lernende auf ihre Kosten, da die Blauhöhle historische Artefakte beherbergt: von Wasserkrügen als Opfergabe für Wassergötter, über „normale Alltagsgegenstände“ bis hin zu jahrtausendalten Schwertern von Kelten.

Blautopf VR bietet viele kindgerechte und pädagogisch-didaktisch orientierte Lehrsituationen.

Wie bereits in der Zusammenfassung angedeutet, wird durch die kurzen Videos das Thema Forschung aus vielfältigen Perspektiven dargestellt: Auf der einen Seite die Forscherinnen und Forscher, die voller Motivation und Freude von den Entdeckungen sprechen und damit sicherlich einige Kinder mit dem entdeckenden Forschergeist anstecken. Auch wird mehrmals der wichtige Aspekt der Teamarbeit bei der Forschung betont: Von einer vier Jahre langen gemeinsamen Ausgrabung eines Höhleneingangs, an dem mehrere motivierte Helferinnen und Helfer mitwirkten und Wochenende für Wochenende der großen gemeinsamen Sache widmeten, um am Ende eine riesige Höhle zu entdecken, dass man stets mindestens zu dritt unterwegs sein sollte und sich gegenseitig unterstützt, wann immer jemand Hilfe benötigt.

Auf der anderen Seite die gefährliche und nicht zu unterschätzende Seite der Höhlenforschung: aufgewühltes Sediment, welches dem Orientierungssinn der Menschen gefährlich werden kann und Märsche durch 9°C kalten knietiefen Matsch, welche eine hohe Konzentration erfordern. Auch hier schafft es die Anwendung, durch einen beruhigenden Verweis auf das Gebot der Vorsicht und das Einhalten von Sicherheitsmaßnahmen, dass Lernende ein nötiges Gefühl des Respekts entwickeln können, ohne dabei unnötig Angst zu schüren. Passend dazu flüstert die Wasserfrau Lau als unsichtbarer Geist der Höhle das Mantra: „Ich bin weder gut noch böse, ich bin nur ich selbst.“

Die Audios, oftmals gepaart mit kleinen Videos dazu, bieten eine gute Möglichkeit für Gruppenarbeiten, da Kategorien wie „Tierwelt“, „Artefakte“ und „Märchen“ in mehrere kleine Sequenzen aufgeteilt sind, die entdeckt werden können. Zu beachten ist der Aufbau der Anwendung mit den verschiedenen Höhlen und ihren untergeordneten Abschnitten. Hier entweder auf die vorhandenen Karten in jedem Höhlenabschnitt hinzuweisen oder eine zusätzliche (analoge) Karte an der Tafel in der Klasse zur Orientierung zur Verfügung zu stellen, dürfte hilfreich sein.