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Jasmin geht nach den Sommerferien auf eine neue Schule, wo ihr der Anschluss an ihre Klasse schwerfällt. Online stellt sie fest, dass sich Samira, eine ihrer Freundinnen aus der alten Schule, verändert hat: Sie trägt jetzt ein Kopftuch, ist einem religiösen Verein beigetreten und verheiratet. Im Austausch mit Samira beginnt Jasmin, sich stärker für den Islam zu interessieren – bei Samira und den anderen aus Samiras Verein fühlt sich Jasmin aufgenommen und akzeptiert. Irgendwann steht Jasmin vor der Frage, ihr Leben an islamischen Regeln zu orientieren. Doch die Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen, stößt bei ihren säkularen Eltern und den Klassenkameraden auf Unverständnis. Stattdessen hält mit Amir ein junger Mann aus dem Verein um Jasmins Hand an…

Auch Jens wechselt die Schule und kommt dort nicht zurecht, nur Mario scheint sich für den Neuen zu interessieren. Er zeigt Jens für ihn unbekannte Musik und lädt ihn in eine Chatgruppe ein. Dort ist klar: Alles, was nicht „deutsch“ ist, ist falsch. Doch es bleibt nicht beim Chatten… Jens‘ neue Freunde wollen ihre Gesinnung nach außen tragen, das nächste Ziel ist eine Dönerbude…

Das kostenfreie Browsergame Decount erzählt die Geschichten von vier Jugendlichen und ihrer schleichenden Radikalisierung. Entlang der im Spiel getroffenen Entscheidungen entwickeln sich die Protagonisten in verschiedene Richtungen und geraten immer weiter in den Strudel des Extremismus. In Dialogen und Chatverläufen können unterschiedliche Optionen gewählt werden, deren Konsequenzen in kleinen Comics und Nachrichten auf einer Timeline dargestellt werden. Die komplette Spieloberfläche ist dabei dem Interface eines Smartphones nachempfunden.

Das speziell für den Unterricht entwickelte Spiel zeichnet sich durch seinen niedrigschwelligen Zugang aus: Die Lernenden können das Spiel direkt im Browser starten und ohne lange Einführungen direkt mit dem Spielen loslegen. Aufgrund seiner Optik und Menüführung ist Decount selbsterklärend, sodass Tutorials überflüssig werden. Die vier Geschichten über Franziska und Jens (beide zum Thema Rassismus) und Jasmin und Marco (beide zum Thema Islamismus) bieten vielfältige Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, wobei auch die unterschiedlichen Protagonisten so gestaltet sind, dass sich die Lernenden leicht mit ihnen und ihren Problem identifizieren können: Die Eltern nerven, die Schule stresst und in der neuen Stadt kennt man keinen. Decount eignet sich insbesondere, um mit den Schülerinnen und Schülern die Prozesse von Radikalisierung herauszuarbeiten und die Strategien, mit denen extremistische Gruppen um Anhänger werben, zu beleuchten. Die vier Geschichten behandeln dabei unterschiedliche Aspekte dieses Feldes und bieten reichhaltige Anlässe für anschlusskommunikative Prozesse und eine gemeinsame Reflexion.

Obwohl sich die Geschichten neben den Comics primär über Chatnachrichten und Gespräche entfalten, ist Decount nicht übertrieben textlastig. Die Nachrichten sind eher kurz und lenken den Blick auf die wesentlichen Aspekte, sodass die einzelnen Geschichten in kurzer Zeit durchlaufen werden können. Entlang der unterschiedlichen Dialogoptionen nehmen die Geschichten vielfältige Ausgänge; hier bietet sich für die Lernenden die Gelegenheit, die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen zu entdecken und in der Anschlusskommunikation zu vergleichen. Die Möglichkeit, an verschiedenen Punkten in der Geschichte neu einzusteigen, erhöht zusätzlich die Motivation, auch andere Entwicklungen durchzuspielen. Durch kleine Mini-Games wird das Spielgeschehen aufgelockert.

Für das Spiel haben verschiedene Institutionen zusammengearbeitet, Decount ist daher professionell aufbereitet, auch die Geschichten entstammen nicht der reinen Fantasie, sondern basieren auf 31 Interviews mit Personen, die selbst radikalisiert sind oder waren. Interessierte Lehrerinnen und Lehrer finden auf der Spielhomepage zusätzlich umfangreiches Begleitmaterial mit didaktischen Hinweisen und Vorschlägen für die Einbettung in den Unterricht.