In meinem ersten eigenen Artikel auf meiner Nachrichtenseite „Die einzig wahre Wahrheit“ kritisiere ich die Steuerverschwendung im Gesundheitssystem, dazu reichen mir der Verweis auf eine andere dubiose Internetseite und ein Bild aus einem anderen Kontext – die Glaubwürdigkeit meines Artikels ist dennoch hoch. Am Ende noch ein dramatischer Titel: „Steuerverschwendung dank Gesundheits-Wahn“.

Als „Tilo Hirschberger“ getarnt poste ich den Artikel in verschiedenen Gruppen und warte, wie er die Runde macht, er wird angeklickt, geteilt, geliked. Zuvor habe ich nur Artikel von anderen Webseiten auf meine kopiert, mittlerweile aber habe ich genug Erfahrung, um Artikel nach meinen Vorstellungen selber zu schreiben. Bald schon kann ich eine zweite Webseite aufbauen und mir die Bälle selbst zuspielen.

Klar, für den Unterhalt der Internetseite muss ich etwas zahlen, aber am Ende bleibt von den Werbeeinnahmen noch gutes Geld für ein neues Handy.

Solche Erlebnisse können Spielende in Fake It To Make It machen, wo sie eine eigene Fake-News-Seite aufbauen und sich Stück für Stück das Vertrauen der Menschen erschleichen und dabei auch noch mit jedem Klick Geld verdienen. Dabei wird man Schritt für Schritt eingearbeitet, beginnt damit, eine Seite zu erstellen und erste Artikel von anderen Portalen zu teilen, irgendwann folgt dann der Schritt zum Verfassen eigener Artikel, aus einem beliebigen Grundthema und verschiedenen Elementen werden so Artikel mit gewünschter Wirkung. Diese werden dann in Gruppen in sozialen Netzwerken geteilt. Erfolgreiche Fake-News-Verbreiter achten in Fake It to Make It auf Glaubwürdigkeit und Dramatik, aber auch die richtige Zielgruppe und Stimmung.

Fake It To Make It verfolgt das Ziel, Spielende für Fake News zu sensibilisieren. Wie auch Get Bad News lässt das Spiel die Spielenden in die Rolle derjenigen schlüpfen, die Fake News verbreiten und daraus ihre Vorteile ziehen.

Dabei findet Fake It To Make It eine Balance zwischen Komplexität und inhaltlicher Tiefe. Spielende erhalten genug Möglichkeiten, den Spielverlauf in ihrem Sinn zu gestalten und etwas Eigenes aufzubauen. Gleichzeitig erlauben es die kleinschritten Ziele auch schwächeren Spielenden, erfolgreich zu werden. Ergänzend können Tipps abgerufen werden, wenn mit Aufgaben Schwierigkeiten auftreten.

Ein Einsatz bietet sich zunächst in den Fächern Gemeinschaftskunde/Politik an. Hier kann das Thema Fake News aus der Perspektive der Produzenten betrachtet werden. Neben politischen Motiven stehen dabei auch ganz handfeste finanzielle Interessen im Mittelpunkt, wodurch die Mechanismen, mit denen Fake News arbeiten, genauso aufgedeckt werden wie die Tricks, derer sich die Macher bedienen.

Im Fach Deutsch regt das Spiel die Schülerinnen und Schüler zu einer vertieften Auseinandersetzung mit Medienprodukten an und gibt Anhaltspunkte für einen kritischen Umgang mit denselben.

Für Lehrerinnen und Lehrer stehen passend zu diesem Spiel online Arbeitsmaterialien bereit, die neben einer Handreichung und Arbeitsblättern auch Beispiele für Fake News beinhalten.