• Jahr: 2013
  • Entwicklerstudio: Lucas Pope (Publisher: 3909)
  • Plattform: Windows, Mac, Linux, iOS
  • Altersfreigabe: PEGI 16
  • Geeignet für: Ende der Sekundarstufe I und Sekundarstufe II
  • Fachbezug: Deutsch, Geschichte, Ethik, Politik

Papers, Please spielt 1982 im fiktiven Staat Arstotzka, der nach einem sechsjährigen Krieg Frieden mit dem Nachbarstaat Kolechia geschlossen hat. Man spielt einen Bürger Arstotzkas, der die Arbeit eines Grenzbeamten in der geteilten Stadt Grestin zugelost bekommen hat. Aufgabe des Spielers ist es, die Papiere der Personen zu überprüfen, die von Kolechia nach Arstotzka einreisen. Beinahe täglich ändern sich dabei die Anforderungen, die an den Spieler gestellt werden. Für die korrekte Ausgabe von Einreiseerlaubnissen erhält der Spieler ein Gehalt, für falsche Ablehnungen oder falsche Einreisen eine Strafe. Von diesem Gehalt muss der Spieler Miete, Nahrung und ggf. Medikamente für seine Familie zahlen. Durch den Aufbau des Spieles wird der Spieler dazu gezwungen, schnell zu arbeiten, dabei aber vollkommen fehlerfrei zu bleiben. Dabei treten an der Grenze immer wieder Situationen auf, die eine Entscheidung des Spielers verlangen: Regelmäßig treten Personen mit speziellen Bitten an den Spieler heran, zum Teil Privatpersonen, aber auch verschiedene Geheimorganisationen.

Papers, Please macht auf ganz ungewöhnliche Art und Weise Spaß; obwohl es mit viel Ernst eine unbequeme Geschichte erzählt, verliert man sich schnell in dem Spiel. Auch wenn die Hauptaufgabe des Spielers in Entscheidungen darüber besteht, ob Menschen den Grenzposten passieren dürfen, wird die eigentliche Geschichte durch das Drumherum angetrieben, denn der Spielende findet sich plötzlich als eine Art „Schreibtischtäter“ eines totalitären Systems wieder. Nun muss er sich in irgendeiner Form zu diesem System (und vor allem in diesem System) verhalten. Seine Entscheidungen haben dabei stets Einfluss auf den weiteren Verlauf des Spiels, sodass auch verschiedene mögliche Spielenden existieren. Der Wiederspielwert ist also hoch.

Während man also an der Grenze Visa erteilt oder verweigert, über die Einhaltung von Recht und Ordnung wacht, wird einem bewusst, dass man nur ein kleines Rad in einer großen Maschinerie ist, die einen selbst überwacht und jeden Fehler bestraft. Es liegt nun am Spieler, was er aus dieser Situation macht und an welchen Maßstäben er sein Handeln ausrichtet.

Der durch das Spiel entfaltete Rahmen im Spannungsfeld zwischen Individuum und staatlicher Autorität bietet Anknüpfungspunkte für verschiedene Schulfächer: In Geschichte könnten etwa historische Bezüge zum 20. Jahrhundert und zum Kalten Krieg beleuchtet werden. Im Fach Ethik besteht die Möglichkeit, das Spiel als Gedankenexperiment zu nutzen und die Entscheidungen der Spieler in den Blick zu nehmen. Für den Politikunterricht ist besonders der Bezug zum Sozialismus interessant, aber auch aktuelle Fragen dazu, wie staatliche Akteure ihre Grenzen schützen.