Was wäre, wenn nach dem Tod noch nicht alles vorbei wäre? Wenn die Toten noch ziemlich viele Dinge zu erledigen hätten, sie aber nicht mehr selbst dazu in der Lage wären? Was wäre, wenn man ihnen dabei helfen könnte? Würdest Du es tun?

Das Single- und Multiplayergame Spiritfarer lässt seine Spielenden in die Rolle von Stella schlüpfen, einem Mädchen, das nach seinem Tod den bisherigen Fährmann Charon ablöst. Dieser hat genug von seinem Job und möchte nun selbst die Ewigkeit genießen. Stella übernimmt daher sein Schiff und erhält die Aufgabe, verlorene Seelen in der Welt einzusammeln und sicher zur Immerpforte zu bringen, damit sie ins Jenseits überwechseln können. Im Rahmen des Managementspiels bauen die Spielenden daher zum einen das Schiff von Stella immer weiter aus und befahren mit ihr stürmische Seen, entdecken ferne Inseln und mächtige Schildkröten. Hierbei treffen sie zum anderen aber auch immer wieder auf Verstorbene, die fortan gemeinsam mit Stella auf dem Schiff leben und ihr von ihrem Leben und ihren letzten Wünschen erzählen. Um den Seelen Ruhe und Frieden zu bringen, versuchen die Spielenden gemeinsam mit der Protagonistin, diese Wünsche zu erfüllen, und erfahren dabei, was eigentlich zum Tod gehört: Das Leben selbst.

Spiritfarer konfrontiert seine Spielenden auf behutsame Art und Weise mit den Themen Tod und Vergänglichkeit und eignet sich daher insbesondere für die Einbindung im Ethik- und Religionsunterricht der Mittelstufe. Gemeinsam mit Stella sammeln die Spielenden im Verlauf der Kampagne immer wieder neue Seelen ein, lernen diese kennen, versuchen, ihre Wünsche zu erfüllen und begleiten sie auf ihrem letzten Weg zur Immerpforte. Die Figuren, in Form von Tierwesen, verfügen über eine eigene Hintergrundgeschichte und scheinen dabei eng mit Stellas Leben verbunden zu sein, die früher als Krankenschwester gearbeitet hat. Darüber hinaus decken die Seelen verschiedene Todesursachen und Lebensverläufe ab: Während Igeldame Alice mit fortschreitendem Spielverlauf immer deutlicher ihre Demenz erkennen lässt, starb Stellas Onkel Atul an einem Unfall, einer ihrer ersten Patienten Stanley erlag einer Kinderkrankheit. Alle von ihnen haben noch unerfüllte Wünsche, sodass Stella mal ein zerstrittenes Ehepaar, das ohneeinander aber auch miteinander nicht kann, wieder zusammenbringt, Stanley zum Frühstück Erdbeerbonbons naschen lässt und für Atul ein großes Familienessen auf dem Boot organisiert. Durch die feinsinnig geschrieben Dialoge des Spiels werden immer wieder verschiedene Trauerphasen und die Bewältigung dieser angesprochen, ohne dabei mit erhobenem Zeigefinger über das Thema Tod aufklären zu wollen. Ein wirklich gelungenes Spiel mit (Freuden-)Tränen-Garantie und zahlreichen Reflexionsanlässen zum Thema Tod, Leben und dem, was von uns bleibt.