The Key

Anna kann sich weder an ihre Kindheit noch an ihre Herkunft und Heimat erinnern. Sie träumt allerdings noch oft von ihrer Vergangenheit. In The Key nimmt sie die Spielenden mit in ihre Träume und lässt sie an ihrer Geschichte über Verlust und Angst teilhaben. Anna spricht dabei oft in Rätseln und auch das immer wieder auftauchende Element des Schlüssels bringt erst am Ende des etwa 20-minütigen Erlebnisses Klarheit über Annas Träume: Sie ist eine von zahllosen Flüchtlingen; der Schlüssel ist der Schlüssel zu einem Zuhause, das nicht länger existiert, zu einem Zuhause, zu welchem Anna wohl nie wieder zurückkehren wird.

Durch den Einsatz von ausdrucksstarken Symboliken, dem Spiel mit Farben und einer ergreifenden musikalischen Untermalung wird den Spielenden auf zugleich wunderbare wie schockierende Art und Weise die Perspektive eines Flüchtlings näher gebracht. Der Aufbau der Geschichte – in welchem dem Spieler erst am Ende klar wird, dass Annas Alpträume nicht bloß reine Fiktion waren, sondern eine Projektion der Furcht und der Verluste darstellen, die sie miterleben musste – ermöglicht es den Spielerinnen und Spielern die Grausamkeiten, die Flüchtlinge oftmals durchmachen müssen, besser zu verstehen und über das Thema Flucht weiterführend nachzudenken.

Eindrucksvoll zeigt einem The Key zuletzt reale Bilder von Menschen, die zu einem Leben auf der Flucht gezwungen wurden und zieht dabei den direkten Vergleich zu den zuvor miterlebten Alpträumen. Spätestens an diesem Punkt wird klar: Es handelt sich bei den Träumen nicht um die Darstellung einer ausschließlich fiktionalen Welt, es handelt sich um die Darstellung einer grausamen Realität…

Das ausschließlich in englischer Sprache verfügbare Spiel bietet, neben der Anbindung an den Englischunterricht, eine hervorragende Möglichkeit für den Einsatz im Fach Gemeinschaftskunde/Politikwissenschaft ab der achten Klasse. Inhaltlich beschäftigt sich das Spiel, welches mehr dem Erleben einer Geschichte als einem Spiel ähnelt, mit der Zuwanderung von Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und eignet sich somit, um die Perspektive der Flüchtlinge in der Flüchtlingskrise besser verstehen zu können und ein Gefühl für die Auswirkungen der politischen Entscheidungen auf die Betroffenen zu erlangen. Besonders gut gelingt es dabei Einzelschicksale zu beschreiben und zugleich die gewaltige Masse an Flüchtenden aufzuzeigen.
Der Spielende nimmt die einzelnen Traumsequenzen stets aus der Perspektive eines Flüchtlings wahr und erlebt dabei, was beispielsweise ein abgelehnter Antrag für die Aufnahme in einem Land bedeuten kann oder wie eine Katastrophe, die einen zum Verlassen der eigenen Heimat zwingt, wahrgenommen werden kann.

Des Weiteren bietet The Key auch die Möglichkeit für einen Einsatz im Deutschunterricht. Durch die direkte Involviertheit des Spielers mit der Flüchtlingskrise und die Einnahme einer fremden Perspektive, die ein besseres Verstehen und einen anderen Blickwinkel auf die Dinge ermöglicht, können literarische Aspekte des Sprachunterrichts erarbeitet werden. Das wohl größte Potenzial steckt allerdings im Deuten von Symbolen und Metaphern, da das Gemeinte nur selten auch zu sehen ist. So wird der Sachbearbeiter für die Flüchtlingsanträge von einem großen Monster mit zahllosen Augen verkörpert und die Aufnahme in einem neuen Land durch die Möglichkeit endlich wieder frei atmen und Farben sehen zu können.

Im Englischunterricht lassen sich neben diesen literarischen Elementen auch noch sprachliche Aspekte behandeln. So stellt die englische Erzählung eine hervorragende Möglichkeit zum Üben von Sprach- und Hörverstehen dar, da der Spieler den Aufforderungen Annas folgen muss, um in der Geschichte weiter zu kommen. Diese sind stets in einem angenehmen und entspannten Sprachtempo von einer US-Amerikanerin gut verständlich eingesprochen. Da man auf die Aufforderungen lediglich mit Handlungen antworten muss, kann mit The Key das Konzept von Total Physical Response verfolgt werden, um ein Sprachverständnis zu fördern, welches unabhängig von den Kompetenzen der eigenen Sprachproduktion ist.