• Jahr: 2015
  • Entwicklerstudio: Gentle Troll Entertainment
  • Plattform: Android, iOS
  • Geeignet für: Ende der Primarstufe und frühe Sekundarstufe
  • Thema: Inklusion und Vielfalt

The Unstoppables ist ein Rätsel-Adventure für Android und iOS, das die Geschichte von vier ungleichen Freunden erzählt: Der blinden Melissa, dem im Rollstuhl sitzenden Achim, dem sehr starken, aber langsamen Jan und der sehr kleinen Mia. Die Geschichte beginnt mit Melissa, die eines Tages feststellt, dass ihr Blindenhund Tofu entführt wurde. Auf der Suche nach dem entführten Hund helfen ihr ihre drei Freunde. Die Vier müssen auf dem Weg verschiedene Aufgaben bewältigen, die sie jeweils nur gemeinsam im Team lösen können, weshalb die oder der Spielende immer zwischen den Figuren hin und her wechselt. Jede Figur hat dabei eigene Stärken: Melissa kann mit ihrem Blindenstock auch weit entfernte Gegenstände erreichen, Achim kann auf seinem Rollstuhl eine andere Person mitnehmen, Jan kann auch schwere Dinge hochheben und Mia kann hoch springen. Die Suche führt die Vier zunächst in eine geschlossene Schule, von wo aus sie weitere Hinweise zu einer verlassenen Waldhütte führen. Erst dort gelingt es ihnen, Tofu aus der Hand seines Entführers zu befreien.

Das besondere an The Unstoppables ist die Einbindung von Menschen mit Beeinträchtigungen als Spielavatare, wodurch die Spielenden für diese Gruppen sensibilisiert werden sollen. Zu Beginn des Spiels muss Achim beispielsweise eine Straße überqueren. Die hohen Bordsteine stellen für ihn allerdings eine unüberwindliche Barriere dar, die er nur mithilfe von Jan passieren kann. An anderer Stelle kann Melissa die rote Ampel, die über kein akustisches Signal verfügt, nicht sehen und ist auf die Hinweise der anderen angewiesen. Das Spiel macht damit deutlich, dass es gerade diese kleinen Dinge des Alltags sind, die Menschen ohne Einschränkungen gar nicht bemerken, aber für Menschen mit Beeinträchtigungen große Hindernisse darstellen.

The Unstoppables wurde speziell für Unterrichtszwecke entwickelt, über die Schweizerische Stiftung für das cerebral gelähmte Kind (https://www.cerebral.ch/de/) lassen sich Lehrmaterialien bestellen, die den Einsatz des Spiels erleichtern. Spielziel ist dabei insbesondere einen positiven Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt einzuüben. Das Spiel vermittelt dabei eindrücklich, dass sich schwierige Aufgaben nur im Team bewältigen lassen und dabei jeder einen Teil zur Lösung beiträgt. Allerdings ist hier anzumerken, dass die Figurenzeichnung im relativ kurzen Spielverlauf teilweise recht flach ausfällt: Während besonders Melissa und Achim in ihren individuellen Stärken hervorgehoben sind, fällt besonders Jan hinter die beiden zurück; so hat er bei den Rätseln selten entscheidende Aufgaben und dient teilweise eher dazu, auf Metallplatten zu stehen, um Stromkreise zu schließen. Auch ist bei Jan und Mia nicht klar, ob auch sie ein Handicap haben; dies bleibt hier der Fantasie des Spielenden überlassen. Damit kann festgestellt werden, dass das Spiel das eine oder andere Potenzial verschenkt, so hätte insbesondere die zielgebende Thematisierung von Vielfalt auch Anlass dazu geben können, die Beeinträchtigungen zu vertiefen; denkbar wäre hier, den Spielenden ebenfalls „erblinden“ zu lassen, während er Melissa spielt, und in diesen Phasen nur akustische Signale einzusetzen.

Auch wenn die Schwierigkeit der Rätsel auf einem angenehmen Niveau bleibt, sodass damit zu rechnen ist, dass auch jüngere Spielende gut zu einer Lösung gelangen, bleibt die Geschichte von The Unstoppables relativ flach und hat ein unerwartet einseitiges Happy End: So finden die Vier heraus, dass Tofu von einem Mitschüler entführt wurde, der sich von der Gruppe unbeachtet gefühlt hat. Insbesondere die Verbindung von Nichtbeachtung und daraus resultierender Blindenhundentführung gilt es daher im Unterricht zu reflektieren.

Didaktisch eignet sich das Spiel besonders als Gesprächsanlass zu den Themen Vielfalt und Identität. Selten binden Computerspiele auch Menschen mit Beeinträchtigung als spielbare Charaktere mit ein, The Unstoppables ist hier eine angenehme Ausnahme.