Tilt Brush

„Das Zimmer ist die Leinwand, der Einfallsreichtum die Farbpalette und die Möglichkeiten unendlich.“ – aus dem Englischen übersetzt ist dies das Versprechen zu Tilt Brush auf der offiziellen Seite von Oculus. Ausgestattet mit einer digitalen Farbpalette oberhalb des linken Controllers und einer malenden rechten Hand können die Lernenden für sich entscheiden, ob diese Beschreibung zutrifft und ihre künstlerischen Fähigkeiten entfalten. Die Umgebung, in der die Lernenden zwei- oder dreidimensional malen, ist dabei frei wählbar. Neben eher monotonen einfarbigen Umgebungen – in welcher die Anwenderinnen und Anwender den größten kreativen Freiraum haben – wird auch bspw. ein Sternenhimmel, das Weltall oder eine kleine Wiese mit einem Baum angeboten. Bei der Auswahl der Malutensilien haben die Lernenden ein sehr breites Spektrum an Möglichkeiten: gemalt werden kann bspw. mit Tinte, Filzstiften oder – etwas kreativer – mit Feuer, Licht oder Schnee. Auch das Farbspektrum ist vielfältig; ausgewählte Farbtöne können auf Knopfdruck zudem vorgemerkt werden.

Unterteilt ist das Spiel in zwei Modi: Im Anfängermodus stehen ein Radierer, ein „Lineal“ für gerade Striche, die Möglichkeit der Teleportation im nahen Umfeld und eine Spiegelfunktion, bei der das Gemalte zusätzlich an anderer Stelle erscheint, zur Verfügung. Im fortgeschrittenen Modus („Advanced“) wiederum lässt sich zusätzlich bei bereits gemalten Strichen / Zeichnungen die dort benutzte Farbe und das Werkzeug übernehmen („Dropper“): Wurde bspw. ein Kreis mit roter Tinte und einem breiten Pinsel gezogen, lassen sich diese beiden Einstellungen per Knopfdruck auswählen. Soll die Farbe des Kreises nachträglich geändert werden, gelingt dies durch die „Recolor“-Funktion. „Guides“ – also Gitternetze in Form von Würfeln, Kugeln und Ellipsoiden – dienen als Orientierungen und Hilfen für geradlinige und passende Zeichnungen und lassen sich formen und verschieben. Sie können zudem während ihrer Nutzung an den gewünschten Ort angepinnt werden, bleiben also in ihrer Position, ohne zu verrutschen. Hat man die jeweilige Schablone fertig benutzt, verschwindet sie durch simples „Wegwerfen“. Sowohl die Schablonen als auch vorgenommene Striche lassen sich außerdem mit der „Selection“-Funktion auswählen und duplizieren, eine mühselige Reproduktion von Geschaffenem ist also nicht vonnöten.

Ist die gewünschte Szene fertig bearbeitet, entsprechen die vorhandenen Standardeinstellungen des Lichteinfalls jedoch nicht den eigenen Wünschen, lässt sich dies im fortgeschrittenen Modus ebenfalls verändern. Durch die Speicherfunktion lassen sich Bilder der hergestellten Szene fotografisch festhalten und werden im „Sketchbook“ gespeichert.

Dass die Möglichkeiten „unendlich“ seien, ist sicherlich eine Übertreibung – jedoch bietet Tilt Brush außergewöhnlich viele Möglichkeiten, die eigene Kreativität auszuleben. Die etwas trivialeren Funktionen im Anfängermodus können durch eine spielerische Erkundung relativ zügig erfolgreich angewendet werden und auch der fortgeschrittene Modus ist durch ein wenig Übung zu beherrschen. Gerade im fortgeschrittenen Modus kann so in relativ kurzer Zeit Beeindruckendes erschaffen werden: Bspw. eine vorgefertigte Schneefigur bemalen oder mithilfe der Guides ein skizzenhaftes Häuschen erstellen. Für das sichere Hantieren mit den Gitternetzen ist dabei eine gewisse spielerische Übung förderlich.

Als unterstützenden Einstieg für die Guides und weitere Werkzeuge gibt es auf YouTube eine Reihe von Videos, die diese kurz vorstellen:

Im Unterricht kann durch die Lehrkraft eine analoge Arbeitsanweisung für die digitale Bearbeitung gegeben werden. Durch seine Dreidimensionalität fördert und fordert Tilt Brush von seinen Lernenden Vorstellungsvermögen; Bestehendes kann durch eigene Ideen und Vorstellungen erweitert oder – für die etwas kreativeren Lernenden – Neues erschaffen werden. Die vielseitigen Möglichkeiten bei den Malutensilien sind eine weitere Inspiration und dienen als künstlerische Spielwiese zum Ausprobieren und Entdecken.