Time Stall

Der erste Arbeitstag beim neuen Unternehmen: Man erhält zu Beginn seine Arbeitsmaterialien und wird dem Chef der Firma vorgestellt – und hält nach dem begrüßenden Händeschütteln auf einmal den Arm des Chefs in der Hand. Welch eine Horrorvorstellung!

Bei Time Stall dürfte sich der Schrecken glücklicherweise in Grenzen halten: Die neue Firma ist das Raumschiff „Fantastic Leap“ und der Chef, sowie alle Kolleginnen und Kollegen, sind Maschinen; ein abgetrennter Arm lässt sich leicht ersetzen oder reparieren. Die Lernenden schlüpfen in die Rolle eines menschlichen Neuankömmlings mit keiner geringeren Aufgabe, als das durch Crowdfunding finanzierte Raumschiff, welches an allen Ecken und Enden Reparaturbedarf zu haben scheint, durch improvisatorische Handwerkskunst vor dem Untergang zu bewahren. Dies gelingt durch zu Beginn ausgehändigte Handschuhe, mit denen sich die Zeit in den insgesamt acht Level einfrieren lässt.

Nun gilt es, in 150 Sekunden die sich anbahnenden Katastrophen durch das Manipulieren der Umgebung zu verhindern. Neben dem Retten des Kapitäns sollten auch die beiden kleinen Hilfsroboter in Sicherheit vor durchdrehenden bösartigen Robotern, umherfliegende Pakete oder Brennöfen gebracht werden. Zusätzlich gibt es kleine und oftmals lustige Aufgaben, die die Spielenden zum Weitermachen motivieren. Dabei stehen neben sprudelnden Champagnerflaschen und Magnet-Pistolen auch bspw. Schraubenzieher zum Aufschrauben von Metallkoffern (in denen sich Batterien oder andere Hilfsgegenstände befinden) zur Verfügung: „Nehmt was ihr findet und benutzt es kreativ zur improvisatorischen Rettung“ lautet stets die Devise, doch „Bestellt auch ab und an bspw. mit einem herkömmlichen Telefon eine Pizza für den hungernden kleinen Roboter im Büro des Chefs“…man muss ja auch ab und an was essen.

Time Stall fordert einen sehr kreativen und pragmatischen Umgang mit physikalischen Phänomenen von seinen Lernenden. Innerhalb von nur zweieinhalb Minuten geht es darum, die Herausforderungen der aktuellen Situation zu begreifen und entsprechende Lösungen zu suchen und finden. Reicht zur Bewältigung mancher Aufgaben ein gezielter Wurf oder Schuss mit einer „herkömmlichen“ Champagnerflasche oder einer Tortenplatte mit Edelstahl-Kuppel, bieten andere Aufgaben komplexere Probleme. So muss bei einem fortgeschrittenen Level bspw. eine Art Kernreaktor durch das Hinzufügen von Batterien und dem Herunterkühlen des Motors mit Eiszapfen vor einer Überhitzung „gerettet“ werden. Die zunehmend kniffligen Aufgaben erfordern somit eine gewisse Entscheidungsfreudigkeit vonseiten der Lernenden, ohne dabei zwingend die erstbeste Lösung zu wählen.

Merken die Lernenden während der durchgeführten Vorkehrungen, dass ein Versuch nicht von Erfolg gekrönt sein wird, lässt sich die Übung jederzeit über die Handschuhe, welche auch als Menü fungieren, neu starten. Wurden hingegen alle geplanten Vorkehrungen zur Bewältigung der einzelnen Aufgaben schneller als in der vorgesehenen Zeit getroffen, kann innerhalb des Spiels der „Time-Freeze“ aufgehoben und das Ergebnis der eigenen Überlegungen und Handlungen eingesehen werden. Kommen die Lernenden auch nach mehrmaligem Probieren nicht auf eine Lösung, bietet Time Stall hier eine elegante Unterstützung: in jedes Level wurde ein altmodisches Telefon mit Service-Hotline integriert; nach aktiver Auswahl erhalten Lernende einzelne subtile Hinweise auf mögliche Lösungsstrategien, ohne dabei die Spannung komplett zu nehmen.

Insgesamt kann Time Stall somit als ein angenehmer und unterhaltsamer Mix aus weltlichen Gegebenheiten und Spielereien und etwas komplexeren mechanischen Problemen bzw. Mechanismen aus dem Bereich „Raumschiff / Weltall“ betrachtet werden, welcher eine kurzweilige und fesselnde Spielzeit garantiert. Zu beachten ist, dass in der aktuellen Fassung lediglich eine englische auditive Wiedergabe der Dialoge möglich ist. Die verwendete Sprache ist jedoch erstens gut und einfach verständlich, zudem wird ein deutscher Untertitel angeboten.