Der Himmel ist bedeckt, ein kleiner gelber Bulli fährt einen Berg hinauf und hält an einer verlassenen Bushaltestelle. Ein Mann mit Cordjacke und eigentlich viel zu dünnen Beinen, um den schweren Koffer tragen zu können, stolpert heraus und begibt sich in das Abenteuer seines Lebens – nach Trüberbrook.

Trüberbrook spielt in den 1960er Jahren in dem gleichnamigen Städtchen und erzählt von den abenteuerlichen Geschehnissen, die dem Protagonisten Dr. Hans Tannhauser während seines Aufenthalts begegnen. Der Physiker hat den Besuch in Trüberbrook durch ein Preisausschreiben gewonnen, kann sich jedoch überhaupt nicht mehr an seine Teilnahme erinnern. Nichtsdestotrotz macht er sich auf den Weg und merkt bald, dass in der ländlichen Idylle von Trüberbrook nichts so ist, wie es scheint. Nachdem dann auch noch seine Abhandlungen über Quantenphysik aus dem Hotelzimmer gestohlen werden, beschließt er, der Sache auf den Grund zu gehen – nur um vielfältige Rätsel, Gespräche mit den liebevoll skizzierten Dorfbewohnern, dem Aufenthalt in einer Psychiatrie und der Entdeckung eines unterirdischen Labors später die Welt retten zu müssen. Hierbei lernt er die Paläoanthropologin Gretchen Lemke kennen, die ihn auf seinem Abenteuer begleitet. Doch hilft Gretchen Hans nur aus reiner Nächstenliebe oder verfolgt sie doch einen eigenen Plan?

Das Point-and-Click-Adventure wurde im Jahr 2019 mit dem Deutschen Computerspielpreis in den Kategorien Beste Inszenierung und Bestes deutsches Spiel ausgezeichnet. Nähere Informationen zum Spiel finden sich auch auf der spieleigenen Homepage.

Als narratives Point-and-Click-Adventure eignet sich Trüberbrook insbesondere für den Einsatz im Deutsch- bzw. Literaturunterricht der Mittelstufe zum Erwerb, Auf- und Ausbau literarischen Verstehens. Die skizzierte Welt in Trüberbrook ist glaubhaft gestaltet, zeichnet sich durch teilphantastische Elemente aus, wirft dabei jedoch stets einen Blick auf die vergangene und gegenwärtige Gesellschaft. Darüber hinaus ist die Geschichte an sich handlungslogisch linear aufgebaut, sodass der Nachvollzug der Handlungslogik leicht gelingt. Einzelne Handlungsstränge werden klar den Protagonisten zugeordnet und durch Gesprächspassagen zueinander kontextualisiert. Die Haupt- und Nebenfiguren sind liebevoll gestaltet und zeichnen sich durch klar erkennbare Stärken, aber auch ebensolche Macken aus, die im Spiel von den anderen Figuren stets mit einem Augenzwinkern aufgenommen und ins Spielgeschehen eingebaut werden. Besonders charakteristisch für Trüberbrook ist dabei der stichelnde Wortwitz der Protagonisten untereinander, sodass insbesondere die Dialoge zwischen Hans und Gretchen dazu beitragen, sich näher mit den Figuren zu beschäftigen und die Beziehungen untereinander spielend zu erfassen. Vor allem die angesprochenen Thematiken wie Freundschaft, Loyalität, dem Sinn des Menschseins usw. greifen dabei anthropologische Grundfragen auf und können zur Erarbeitung einer spielerischen Metaebene genutzt werden.

Dazu wird die Geschichte in fünf klar aufeinander aufbauenden Kapiteln erzählt und folgt dabei der dramaturgischen Struktur narrativer Erzählungen, sodass diese ähnlich wie bei printbasiertem Literaturunterricht gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden kann (bspw. Dramendreieck nach Freytag). Dabei hilft, dass in jedem Kapitel ein besonderer Teil Trüberbrooks im Mittelpunkt des Geschehens steht (Kapitel 1: Ankommen in Trüberbrook, Erkundung des Dorfes; Kapitel 2: Sanatorium Paradiso etc.), sodass die Orientierung im dramaturgischen Geschehen unterstützt wird.

Unterrichtsmethodisch bietet Trüberbrook zahlreiche Anschlussstellen, um mit Lerngruppen tiefergehend zu arbeiten: So ist es beispielsweise möglich, die Lösungswege von Hans zur Skizzierung des handlungslogischen Geschehens heranzuziehen und das Rätsel um Trüberbrook zu lüften oder aber selbst Audiotagebücher aufzunehmen, in denen die Schülerinnen und Schüler – ähnlich wie Hans im Spiel – das Geschehen zusammenfassen.