WDR AR 1933-1945

Man befindet sich inmitten eines mit Nebel bedeckten Schlachtfelds. Aus allen Richtungen fallen Schüsse, verletzte Soldaten liegen auf dem Boden. Es ist nicht klar, wo die eigenen Kameraden sind und wo der Feind. Denken viele Jugendliche heute bei solchen Szenarien an Kriegsfilme oder entsprechende Videospiele, dürfte es bei älteren Menschen vielmehr Erinnerungen an vergangene Zeiten hervorrufen. Einige Zeitzeugen haben für die Anwendung WDR AR 1933-1945 ihre persönlichen Erfahrungen, die sie im Rahmen des zweiten Weltkriegs gemacht haben, geteilt und berichten aus ihrer Perspektive über persönliche Ereignisse in Form mehrminütiger AR-Videos.

Im ersten Teil „Mit 18 an die Front“ berichtet ein Veteran darüber, wie er gegen seinen Willen mit 18 Jahren in den Krieg eingezogen wurde, ein ehemaliger Panzerkommandant, wie er über das Leben anderer entschied. Auf die dabei aufkeimende Frage der persönlichen Verantwortung wird im dritten Video eingegangen, bei dem ein Historiker die Fragestellung kurz dialektisch erläutert. Darauf aufbauend handelt das letzte Video des ersten Teils von der Bedeutung der Wehrmacht in den Machenschaften Hitlers.

Den Perspektivwechsel weg von den Tätern hin zu den Kriegsopfern vollzieht der zweite Teil „Meine Freundin Anne Frank“, indem auf die immer schlimmer werdenden Lebensumstände von Anne Frank als Jüdin berichtet wird. Eine Freundin von ihr gewährt als Zeitzeugin zusätzliche Einblicke in das persönliche Leben der berühmten Tagebuchautorin. Im letzten Teil kommen zusätzliche Zeitzeugen aus Köln, London und Leningrad zu Wort, die ihre beklemmenden Erfahrungen einer Bombardierung mit anschließender Flucht in Bunker und einer Belagerung schildern.

WDR AR 1933-1945 gelingt es durch die für geschichtliches Lernen so notwendigen Zeitzeugenberichte eine emotionale Nähe zu den Beteiligten des 2. Weltkriegs herzustellen. Im ersten Teil wird die politische und emotionale Diskrepanz innerhalb der Bevölkerung  offenbart: Der Soldat an der Front, der nach abgeschlossener Ingenieursausbildung unfreiwillig in den Krieg gerufen wird und nicht weiß, für was und wieso er überhaupt kämpft; auf der anderen Seite der Panzerkommandant, der lediglich seinen Job erledigen will und sich keiner Schuld bewusst zu sein scheint. Die damit aufgerufene Frage der Schuld, welche im Video „Info: Persönliche Verantwortung“ nochmals etwas genauer behandelt wird, eignet sich gut als Diskussionsgrundlage für den Unterricht.

Eine Form der möglichen Identifikation für Jugendliche bietet das zweite Kapitel, das sich mit Anne Frank beschäftigt: Kann sie zu Beginn ihrer Kindheit noch ein normales, schönes und für Kinder nachvollziehbares Leben mit Freundinnen und Freunden genießen, werden die Umstände von Zeit zu Zeit zunehmend schwieriger, bis sie schließlich ein Leben in Gefangenschaft und Angst leben muss. Weitere Eindrücke aus Sicht von Kindern erhalten die Lernenden im letzten Kapitel, indem die beklemmenden Aufenthalte in Bunkern während der Luftangriffe in Köln und London und die an Hoffnungen zehrende und den Gemeinschaftssinn zerstörende Belagerung in Leningrad beschrieben werden. Vor dem Hintergrund dessen eignet sich die Anwendung insbesondere für die Anbahnung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins, das anhand der multiperspektivischen Zugänge zu verschiedenen Themen rund um die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs ausgeprägt werden kann.